Heute Vormittag um 9.55 Uhr haben sich die Redakteure von StZ und STN vor der Einfahrt zum Pressehaus getroffen, um gemeinsam wieder die Arbeit anzutreten. Dabei haben die Streikleitungen eine erste Einschätzung der Tarifeinigung vorgenommen.
Von Andreas Denner
Wir haben den Verlegern gezeigt, dass sie sich verrechnet haben weil sie mit uns rechnen müssen. Alles das, was sie auf der Agenda hatten. (GTV II, MTV II für die Jüngeren, Urlausgeld weg für alle, Öffnungsklausel nach Gutsherrenart – zur Erinnerung: steht alles auf der BDZV-Website) haben wir mit unserem unermüdlichen Einsatz, der viele Nerven und viel Schweiß gekostet hat, weggekriegt.
Keine Verschlechterung für niemand, kein “Status Quo minus” – das war unser ursprüngliches Streikziel. Das haben wir auf voller Breite hingekriegt! Noch nicht einmal bei der AV für die Jüngeren, was wir im Korridor eigentlich schon hingegeben hatten, ändert sich was.
Danke für alle eure Mühen, ihr seid wirklich toll gewesen!
Natürlich müssen wir einen Preis für den Abschluss zahlen. Die Gehaltsanhebung – zweimal 200 Euro und 1,5 Prozent 2013 – ist lächerlich bis schäbig. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Selbst die Drucker haben mit weniger Aufwand mehr bekommen. Das hatte allerdings politische Gründe. Die Verleger wollten die Drucker vom Hof haben, um sich mit uns beschäftigen zu können. Insofern haben wir den Druckern ihren Abschluss miterkämpft.
Die “Gehaltserhöhung”, das habe ich schon in Ulm gesagt, ist eine Provokation, eine Beleidigung. Was lernen wir daraus? Das nächste Mal werden wir selbstbewusster in die Tarifauseinandersetzung gehen. Da wir nun wissen, dass wir uns alle zusammen für unsere Belange einsetzen, können wir – und werden wir, versprochen – schon die Anfangsforderungen deutlich erhöhen. Die Rechnung der Verleger mit möglichst absurden Forderungen in die Tarifauseinendersetzung zu gehen, ist nur zu einem geringen Teil aufgegangen. Aber das können wir auch!
Denn wir haben bereits verloren geglaubtes Terrain zurückerobert. Erinnert ihr euch noch an die letzten Abschlüsse? Da mussten wir uns unsere “Gehaltserhöhung” selbst bezahlen, in dem wir auf Urlaubstage und Urlaubsgeld verzichten mussten und Berufsjahrsstaffeln gestrichen wiurden. Nichts von alledem müssen wir heute beklagen. Wer hätte Anfangs des Jahres gelaubt, dass wir diesen Abschluss so hinkriegen?
Und wir werden genau da weitermachen. Der Kampf geht weiter, schon heute, ganz konkret beim Schwabo. Und: Viele Verleger werden jetzt darüber nachdenken, aus dem Tarif zu gehen. Dann gibt es Häuserkampf! Wir sind gewappnet!
Dies ist aus der
offiziellen Pressemitteilung des Verlegerverbandes und
belegt, über was noch heute Nacht verhandelt worden ist – und was uns
erspart geblieben ist, vorerst:
„Es war unsere Absicht, gleichzeitig eine ergänzende Plattform für
Berufseinsteiger mit maßvoll abgesenkten Tarifen abzuschließen, in die
dann auch die Onlineredakteure integriert werden sollten“, sagte
Hundhausen. “Wir bedauern, dass die Gewerkschaften diesen Weg nicht
mitgehen wollten.“ Die Notwendigkeit, ein solches Tarifwerk zu schaffen,
bleibe jedoch für die Zukunft bestehen.
Angeboten hatten die Verleger Eckpunkte, wonach Volontäre im ersten Jahr
ein Monatsgehalt von 1.700 Euro erhalten sollten, im zweiten Jahr 2.000
Euro; Redakteure im ersten Berufsjahr sollten 3.000 Euro bekommen;
Redakteure ab dem fünften Berufsjahr sollten 3.300 Euro und ab dem
zehnten Berufsjahr 4.200 Euro erhalten. Zum Paket zählten ferner ein 13.
Monatsgehalt (Anm.: also kein Urlaubsgeld mehr) bis zu 34 Urlaubstage
und eine 36,5 Stunden-Woche. Auch für die Berufseinsteiger hatte der
BDZV seine Bereitschaft zum Aufbau einer zusätzlichen tariflichen
Altersversorgung signalisiert. (Anm: aber erheblich weniger als bisher).
Insofern sei es nicht nachvollziehbar, wenn dieses Angebot von den
Gewerkschaften als Dumpingtarifvertrag diffamiert werde, sagte Hundhausen.
Geschrieben von streikblog0711 | 18. August 2011, 17:58