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StZ, Seite 5

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Für den direkten Vergleich: hier die Anzeige der Redakteure…

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

Diskussionen

6 Gedanken zu “StZ, Seite 5

  1. Auf einer Seite vor dem Streikaufruf der Journalisten ist eine Anzeige des Verbandes der Zeitungsverleger abgedruckt in dem von durchschnittlichen 4.400 Euro Monatseinkommen und deutlich mehr als 13 Monatsgehältern und mehr als dreißig Urlaubstagen die Rede ist. Das hört sich dem Wortlaut nach natürlich nicht gerade wenig an.
    Deshalb für mein Verständnis die völlig neutrale Frage wie dieser Unterschied von Ihrer Seite zu erklären ist.

    Verfasst von RolfH | 23. Juli 2011, 14:19
    • Das Einstiegsgehalt für Redakteure an Tageszeitungen – nachdem sie in der Regel ein Studium und ein Volontariat absolviert haben – beträgt zurzeit 2987,- Euro. Vom elften Berufsjahr an bekommen Redakteure laut geltendem Tarifvertrag 4401,- Euro. Weitere tarifliche Gehaltserhöhungen mit steigender Anzahl der Berufsjahre gab es früher, diese sind allerdings in den Tarifauseinandersetzungen der letzten Jahre gestrichen worden. Wie der BDZV angesichts dieser Beträge auf „durchschnittlich“ 4400,- Euro kommt, ist sein Geheimnis.
      Redakteure an Tageszeitungen bekamen bis vor einigen Jahren 14 Monatsgehälter. Das Weihnachtsgeld ist bereits vor einigen Jahren auf 95 Prozent eines Monatsgehalts gesenkt worden, das Urlaubsgeld auf 80 Prozent. Das soll nun ganz gestrichen werden, was eine Gehaltskürzung von rund fünf Prozent bedeutet.
      34 Urlaubstage haben laut Manteltarifvertrag lediglich Redakteure, die älter sind als 55 Jahre. Redakteure unter 40 Jahren haben 30 Tage Urlaub, danach steigert sich das in Fünf-Jahres-Schritten. Auch hier ist die Durchschnittsrechnung des BDZV vermutlich nicht ganz zutreffend.
      Wogegen sich der Streik der Redakteure vor allem richtet, das sind die Pläne der Verleger, außergewöhnlich heftige Verschlechterungen für Berufseinsteiger oder Stellenwechsler durchzusetzen. Ihnen schwebt vor, den betroffenen Kollegen 15 Prozent weniger Gehalt zu zahlen, dafür die Wochenarbeitszeit zu verlängern und Urlaubstage zu streichen. Insgesamt summieren sich die geplaten Verschlechterungen dieses „Tarifwerks II“ nach Rechnung unserer Gewerkschaften auf 25 Prozent. Der BDZV zeigt sich allerdings überzeugt, dennoch weiterhin qualifizierten Nachwuchs für diesen anspruchsvollen Beruf interessieren zu können. Die Streikenden bezweifeln das.
      Im Zuge der Tarifverhandlungen der letzten Monate haben die Vertreter des Bundes Deutscher Zeitungsverleger zudem angedeutet, weitere Verschlechterungen bei der Altersversorgung der Redakeure, dem Presseversorgungswerk, durchzusetzen, bei dem es bereits in den letzten Jahren immer wieder Einschnitte gegeben hat.

      Verfasst von streikblog0711 | 23. Juli 2011, 14:56
    • Zu den Gehältern ist nun schon viel geschrieben worden. Wichtig ist dabei, dass die streikenden Redakteure keineswegs behaupten, schlecht bezahlt zu werden. Es gibt ordentliche Löhne für gute Arbeit. Allerdings ist in diese Gehälter auch eingepreist, dass Journalisten im Zweifelsfall Tag und Nacht bereit sind, zu arbeiten. Wir müssen da sein, wo und wann die Ereignisse sind. Wenn dann alles vorüber ist, beginnt unsere Arbeit erst.

      Wir wehren uns gegen den sozialen Kahlschlag, der mit der Absenkung auf 13 Monatsgehälter, wie in der Verlegeranzeige angeführt, völlig unzureichend beschrieben ist. Zwar haben die bisherigen Streiktage den größten Teil der Zumutungen zunächst von der Tagesordnung gebracht, aber nicht endgültig vom Tisch.

      Wir erkennen durchaus an, dass die Medienlandschaft sich verändert. Das tut sie aber bereits seit 15 Jahren und es ist nicht einzusehen, dass wir für die Versäumnisse der Verleger bezahlen sollen. Es ist nicht unsere Schuld, dass inzwischen andere mit Online-Auktionen, Marktplätzen, Autos, Immobilien und Stellenangeboten viel Geld im Internet verdienen. Außerdem ist ja eine Tariföffnungsklausel für darbende Verlage eine verhandelbare Option, allerdings sollte die wirtschaftliche Notlage nachgewiesen sein. Das ist doch das Mindeste. Stattdessen sollen wir darauf vertrauen, dass die Verleger es ganz ehrlich meinen, wenn sie sagen, dass es ihnen schlecht geht.

      Verfasst von Lukas Jenkner | 24. Juli 2011, 15:08
  2. Im Durchschnitt sind alle Menschen gleich groß und gleich dick. Sie verdienen gleich viel, leben gleich lange. Was lernen wir daraus? Durchschnittszahlen sind meistens irreführend – das müssten eigentlich auch die Verleger wissen. Vielleicht ist ihnen ja daran gelegen, nicht ins Detail zu gehen. Möglicherweise haben sie aber auch auf die Schnelle Höchst- und Durchschnittslohn verwechselt. Wünschenswert wäre, dass sie ihre Berechnung offenlegen.

    Im Folgenden einige Details:

    Gehälter:
    Bei den letzten Tarifverhandlungen 2008 wurden folgende Vereinbarungen zwischen Verlegern und Gewerkschaften getroffen (nachzulesen im Internet unter http://www.verdi.de/dju/tarif/tarifvertraege):
    Tariferhöhung um 2,4% ab Nov. 2008, 1,6% ab Okt. 2009, Einmalzahlung von 0,6% im Dez. 2008, kündbar zum
    31. Juli 2010.

    Seit Oktober 2009 erhalten Redakteurinnen/Redakteure
    im 1. bis 3. Berufsjahr 2.987 Euro brutto pro Monat
    im 4. bis 6. Berufsjahr 3.467 Euro
    im 7. bis 10. Berufsjahr 4.000 Euro
    ab 11. Berufsjahr bis zum Schluss: 4.401 Euro

    Diese Verträge gelten für Redakteure, die seit höchstens 18 Jahren festangestellt sind.
    Diejenigen, die schon länger als festangestellte Redakteure arbeiten, haben etwas höhere Gehälter (maximal 4840 Euro monatlich ab dem 25. Berufsjahr).
    Der Grund für diese Unterschiede: Früher gab es weitere Berufsstaffeln und damit weitere Gehaltserhöhungen nach dem 15., 20. und 25. Berufsjahr. In den vergangenen Tarifrunden wurden diese Erhöhungen bereits gestrichen. Seit 2008 bleibt das Bruttogehalt vom 11. Berufsjahr bis zur Berufsende auf einer Stufe. Mehr Geld gibt es dann nur noch bei Tariferhöhungen – oder wenn der Chef einem Einzelnen eine übertarifliche Zulage gewährt.

    Höhere Gehälter als die regulären Redakteure erhalten selbstverständlich Chefredakteure, Ressortleiter und ihre Stellvertreter sowie andere Redakteure mit besonderer Stellung.

    Wir streiken nicht nur, weil wir künftig nicht weniger bekommen wollen. Sondern vor allem, weil diejenigen
    Redakteure, die künftig eingestellt werden, nicht deutlich schlechter bezahlt werden sollen.
    Die Verleger haben vorgeschlagen, die Gehälter für Neueinsteiger (und möglicherweise auch Wechsler) deutlich abzusenken:
    ihre Vorstellungen:
    1. bis 3. Berufsjahr 2650 Euro brutto pro Monat
    4. bis 10. Berufsjahr 3100 Euro
    ab 11. Berufsjahr bis zum Schluss 3800 Euro

    Dafür haben die Journalisten in der Regel ein mindestens vierjähriges Studium und ein zweijähriges Volontariat absolviert, häufig auch einige Monate oder Jahre als Praktikanten und/oder freie Mitarbeiter gearbeitet.
    Natürlich steht es jedem Verleger frei, mehr als den Tariflohn zu bezahlen. Das tun Verleger aber immer seltener. In den vergangenen Jahren haben viele Verlage Übertarife gestrichen beziehungsweise mit den Tariferhöhungen verrechnet.

    Thema Monatsgehälter:

    Journalisten erhalten derzeit 0,95 Prozent eines Monatsgehalts als „Weihnachtsgeld“ und 0,80 Prozent als Urlaubsgeld. Auch hier haben die Verleger in früheren Tarifrunden bereits gekürzt.

    Thema Urlaub:

    Der volle Jahresurlaub beträgt seit 2004:
    bis zum 40. Lebensjahr 30
    ab dem 40. Lebensjahr 32
    ab dem 50. Lebensjahr 33
    ab dem 55. Lebensjahr 34,
    Auch hier gab es bereits Kürzungen. Bis 2004 erhielten Redakteure ab dem 26. Lebensjahr 32 Tage, ab dem 30. Lebensjahr 33 Tage und ab dem 40. Lebensjahr 35 Urlaubstage.

    Dafür arbeiten viele Redakteure abends, an Wochenenden und Feiertagen. Unbezahlte Überstunden sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die leisten Journalisten, weil die Aufgaben zunehmen (z.B. für die Online-Ausgabe schreiben). Viele aber auch, weil sie ihre Arbeit lieben und gute Geschichten schreiben wollen.

    Vielleicht könnte Robert Bosch die Verleger (und viele andere Arbeitgeber) wieder auf die richtige Spur bringen. Seine haltung:
    „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“

    Verfasst von diaz | 23. Juli 2011, 17:26
  3. Beim Aufräumen habe ich einen knapp zehn Jahre alten Brief von der Redaktionsleitung der lokalen Tageszeitung, für die ich immer wieder schreibe, gefunden, in dem um Verständnis dafür gebeten wurde, dass man das Zeilenhonorar der freien Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen um zehn Prozent kürzen müsse. Statt 50 ct also 45 ct pro Zeile. Mein Honorar ist noch ungleich höher, als das der Redaktionspraktikanten und der „ungelernten Freien“! Dieses Honorar ist seither Zeit gleich geblieben! Für einen halben Tag aufwand für sorgfältige Recherche oder vor-Ort-Termin gibt es im Schnitt also zwischen 35 und 50 €. Darin sind Zeit, Telefon, Material, private EDV, etc. abgegolten. Dieses Honorar muss ich versteuern, vom lausigen Rest evtl. meine Kinderbetreuung bezahlen, Rücklagen für Bürotechnik bilden, mich fortbilden, etc. Eine Putzfrau arbeitet heute nicht mehr unter 10 € brutto für netto. Was ich biete? Ein fünfjähriges Diplomstudium, ein abgeschlossenes Fachzeitschriftenvolontariat und sechzehn Jahre Berufserfahrung. Das muss mehr wert sein.
    Ulrike Amler

    Verfasst von Ulrike Amler | 24. Juli 2011, 14:08
  4. Vielen Herausgebern geht es nicht um Qualität – sondern um das, was sie kostet. Ich hoffe nur, dass sich das Vorurteil „Schreiben ist brotlos – Journalismus ist kein Beruf, denn schreiben lernt man schon in der Grundschule“ nicht realisiert.

    Silke Schneider-Flaig
    (Stadtverbandsvorsitzende DJV-Stuttgart)

    Verfasst von Silke Schneider-Flaig | 25. Juli 2011, 00:27

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