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Werner Hundhausen – eine Erwiderung

Im ZDF-Bericht ist gestern auch der Verhandlungsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Werner Hundhausen, zu Wort gekommen.

Hundhausen sagt, dass die Verlage einen Rückgang im Werbeeinkommen von 40 Prozent und einen Rückgang bei den Auflagen zu verzeichnen hätten. Hundhausen vergisst zu sagen, dass die Verlage wie die Südwestdeutsche Medien Holding (unter anderem Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Süddeutsche Zeitung) selbst im längst überwundenen Krisenjahr 2009 hohe Renditen an ihre Anteilseigner ausgeschüttet haben, statt in die Zukunft zu investieren.

Hundhausen fordert in dem Interview, dass Journalisten sich an der angeblich schlechten Entwicklung angemessen beteiligen müssten. Hundhausen vergisst zu erwähnen, dass Journalisten seit Jahren Tariferhöhungen unter der Inflationsrate bekommen, also Einbußen bei den Realeinkommen hinnehmen mussten. Er vergisst auch zu erwähnen, dass die Redakteure sich diese „Gehaltserhöhungen“ selbst finanzieren mussten, in dem sie zum Beispiel auf Urlaubsgeld und Urlaubstage verzichteten.

Die Verleger fordern, dass Neueinsteiger in den Journalistenberuf bis zu 25 Prozent weniger verdienen sollen. Nicht erwähnt wird, dass diese Neueinsteiger in den Beruf schon heute schlechtere Bedingungen vorfinden, als etablierte Kollegen, weil sie zum Beispiel die drei höchsten Gehaltsstufen gar nicht mehr erreichen können. Sie sind gestrichen worden.

Ebenso vergisst Hundhausen zu erwähnen, dass die Verleger die Personalkosten durch rigide Rationalisierungsmaßnahmen seit langem drücken. Die Druckvorstufe wurde eingespart, die Korrektoren wurden wegrationalisiert, ganze Redaktionen wurden aus dem Tarif genommen oder zusammengelegt. Eine Redaktion erarbeitet heute mehrere Produkte, Sonntag aktuell wird zum Beispiel von den Stuttgarter Nachrichten produziert.

Sie als Leser merken das an sinkender Qualität. Die Auflösung eigenständiger Mantelredaktionen verringert die Meinungsvielfalt in Deutschland. Wir Journalisten spüren den Renditedruck an immer größerer Arbeitsbreite. Verwaltungsarbeiten und technische Aufgaben müssen nebenbei erledigt werden. Es bleibt weniger Zeit für die Recherche und das Schreiben. Gleichzeitig muss neben der gedruckten Zeitung auch der Internetauftritt bedient werden.

Deshalb streiken Journalisten nicht nur für ihr Gehalt und ihre Arbeitsbedingungen, sondern auch für Ihre Zeitung.

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Werner Hundhausen – eine Erwiderung

  1. Eine Empfehlung an die Vertreter der südwestdeutschen Zeitungsverleger: Wenn ein Fußballer schlecht kickt, wird er ausgewechselt, hat er eine Formtief, muss er auf die Ersatzbank. Angesichts dessen, was Herr Hundhausen verbreitet bzw verschweigt, lässt auf mehr als ein Formtief schließen. Also liebe südwestdeutsche Verleger, die Sie am Dienstag in Stuttgart sondiert haben, was Sie den BDZV-Verhandlern mit auf den Weg geben wollen – Herr Hundhausen gehört ausgewechselt und aus dem Kader gestrichen, er taugt nicht mal für die Ersatzbank!

    Verfasst von mid | 26. Juli 2011, 16:49

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