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Jammern auf Porsche-Niveau

Was Zeitungsverlage im Land tatsächlich verdienen

Die Zeitungsverleger begründen immer neue Sparrunden für die Redakteure seit Jahren mit der wirtschaftlich schlechten Lage ihrer Branche. Die Bilanzen baden-württembergischer Verlagshäuser legen allerdings nicht den Schluss nahe, dass Insolvenzen drohen.

Zum Beispiel die der Dr. Haas GmbH, die ihr Geld unter anderem mit dem Mannheimer Morgen verdient: Selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 erwirtschaftete der Verlag eine Umsatzrendite von 3,6 beziehungsweise 4,1 Prozent, 2006 waren es knapp 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr meldete BMW eine Umsatzrendite von 6,3 Prozent. Mit im Schnitt 8 Prozent gehören die Münchener Motorenbauer zu den rentabelsten Automobilherstellern weltweit.

Bei einem Verdienst weit über diesem Niveau hatten die baden-württembergischen Verlage bereits ihren Niedergang beklagt, denn der Mannheimer Morgen ist keineswegs das Flaggschiff der Branche. Für die Neue Pressegesellschaft Göppingen waren in den vergangenen Jahren zweistellige Umsatzrenditen Gewohnheit. Das ist das Niveau, das Porsche erreicht, der weltweit rentabelste Autohersteller. Auch das Schwäbische Tagblatt warf in drei der fünf Jahre zwischen 2005 und 2009 zweistellige Umsatzrenditen ab, in der Spitze 14,1 Prozent.

Die waren für die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), die unter anderem die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten verlegt, lange Zeit eher durchschnittlich. Das Stuttgarter Verlagshaus erwirtschaftete bis zu 17,3 Prozent Umsatzrendite.

Dagegen wirken die 1,9 Prozent aus dem Jahr 2009 wie ein Zusammenbruch. Allerdings hatte die SWMH im Jahr zuvor die Mehrheit am Marktführer der Branche übernommen, der Süddeutschen Zeitung. Über den Kaufpreis schweigen beide Seiten. Die Schätzungen reichen von mindestens einer halben Milliarde bis zu 700 Millionen Euro. Das Manager-Magazin glaubte damals die genaueste Zahl zu kennen: rund 625 Millionen.

Fest steht: Ein Teil der Übernahme musste mit Krediten finanziert werden. Deren Bedienung ist die Hauptursache für den Einbruch der aktuellen Bilanzzahlen. Um den auszugleichen, gilt das gewohnte Prinzip – in den Redaktionen soll gespart werden. Am drastischsten bekamen dies die Redakteure von Sonntag aktuell zu spüren. Ihre Redaktion wurde aufgelöst.

Auch die Gewerkschaft DJU in Verdi hat sich mit den Bilanzen der Verleger auseinandergesetzt. Ihr Flugblatt, in dem sie sich unter anderem mit den Durchschnittsrenditen in den Jahren 2005 bis 2009 beschäftigt, gibt es hier: Flugblatt Verlagsgewinne

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Jammern auf Porsche-Niveau

  1. Zum Wehklagen der armen Verleger fällt mir ein Witz ein, der in den 60er Jahren bei niedersächsischen Landwirten die Runde machte. Die Hildesheimer Börde war bekannt durch ihre außerordentlich fruchtbaren Lößböden, sie brachten die dortigen Getreidebauern zu Reichtum. Nun die Geschichte. 1963,1964 und 1965 waren für Getreidebauern drei Notjahre. 1963 verdarb sehr viel Regen und Hagel die Kornernte. !964 war die Ernte wegen anhaltender Trockenheit sehr schlecht. Aber das schlimmste Jahr war 1965, Mercedes hatte 12 Monate Lieferzeit.

    Verfasst von Karl Stephan Quadt | 2. August 2011, 17:43

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