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Ergebnisse, Stimmungsbilder

„In zwei Jahren geht der Tanz von vorne los“

Der Streik ist vorbei und der erste Arbeitstag danach auch. Die Streikleitung der Stuttgarter Zeitung zieht ihr Fazit.

Können wir zufrieden sein mit dem, was wir erreicht haben? Das Ergebnis beim Gehalt ist katastrophal. Wir werden von der allgemeinen Lohnentwicklung noch weiter abgehängt und wir erleiden erneut massive Reallohnverluste. Das ist kein Grund zur Zufriedenheit.

Andererseits: die Verleger haben nichts von dem erreicht, was sie gefordert haben. Wir haben diesen großen Popanz am Ende doch noch umgeschmissen: Keine Kürzungen bei den Jungen, keine 5 Prozent weniger bei uns allen, keine Streichung von Urlaubstagen, keine Ausstiegsklausel nach Gutsherrenart. Wir haben das erreicht, was wir von Anfang an als unabdingbar gefordert hatten: keine Verschlechterungen. Darauf können wir ein bisschen stolz sein.

Der erfolgreiche Teil des Tarifabschlusses ist unser Erfolg. Er wurde in Baden-Württemberg und in Stuttgart erzielt. Wir haben die Verleger vor uns hergetrieben. Und wir haben in einer bestimmten Phase auch die Gewerkschaften vor uns her getrieben. Die Verhandlunskommission – und zwar dju und DJV gemeinsam – hat am Ende aber eine sehr gute Arbeit geleistet. Und ohne Gerd Manthey und die oft und leicht gescholtenen hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionäre hätte das alles nicht geklappt. Die Kollegen in anderen Bundesländern haben sich leider nur begrenzt treiben lassen.

Vor allem aber sind wir alle in diesem Streik gewachsen. Keiner hätte sich vorher vorstellen können, mehr als 30 Tage zu streiken. Kleine und auch größere Gräben wurden überwunden. Die Jungen und die Älteren haben sich besser kennen gelernt. Die Zögerlichen und die Entschiedenen haben sich zusammengerauft. Die „Modernisten“ und die „Tradionalisten“ haben zusammengefunden. Animositäten zwischen Ressorts wurden vergessen. STZ und STN haben gemeinsame Sache gemacht. Wir haben gelernt konstruktiv zu streiten und Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Wir haben Kollegen schätzen gelernt und ungeahnte Fähigkeiten bei ihnen entdeckt. Wir sind selbstbewusster geworden. Das kann uns keiner nehmen und darauf können wir richtig stolz sein.
Wir möchten allen, die an dem Streik in der einen oder anderen Form beteiligt waren, herzlich danken, denen, die dabei waren, obwohl es ihnen schwer fiel, denen, die geackert, die mit organisiert, geholfen und Ideen beigetragen haben ganz besonders. Wir wünschen uns und allen, dass das neue Selbstbewusstsein noch einem Weile anhält und den Redaktionsstreß überdauert. Wir werden es benötigen. Die Verleger haben bereits angekündigt, dass der Tanz in gut zwei Jahren von vorne losgeht.

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

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