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Autorentexte, Stimmungsbilder

So arbeitet ein Online-Redakteur heute

Als Online-Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung verbringt man den deutlich größeren Teil seiner Arbeitszeit im Newsroom. Das liegt daran, dass jeden Tag drei Kollegen in wechselnden Schichten den Newsdienst betreuen – also zwischen sieben und 22 Uhr die Seite fortlaufend aktuell halten und ständig in Kontakt mit den Print-Kollegen stehen; das ist das Online-Äquivalent zum Blattmacher-Dienst.

Jan Georg Plavec

Jan Georg Plavec

Die Arbeit ist fordernd: Während des Newsdienstes darf man den Rechner nicht für länger als ein paar Minuten verlassen, weil ja jederzeit etwas Wichtiges passieren kann, das dann sofort auf die Seite muss. Wir sind als Onliner derzeit nicht einem bestimmten Themengebiet zugeordnet, sondern haben alle Geschehnisse auf der Welt jederzeit im Blick.

Ich glaube, dass in der Redaktion außer uns nur wenige regelmäßig alle Agenturmeldungen aus allen Ressorts durchsehen. Hinzu kommt das Aufbereiten von Printtexten – unter anderem weil weiterhin nicht alle Print-Geschichten so, wie die Kollegen sie uns hinterlassen, direkt auf die Seite können. Gewissermaßen nebenbei beantworten wir täglich noch rund zwanzig Leseranfragen aller Art (von Leserbriefen über Hinweise auf Fehler, die wir natürlich gleich korrigieren, bis zu Abo- und Anzeigen-Anfragen), wir helfen den Kollegen bei Fragen zur Technik und sind via Twitter und Facebook permanent mit den Lesern im Dialog.

Das alles gilt in noch verschärfter Form am Wochenende; jeder Redakteur hat etwa alle vier bis sechs Wochen Wochenenddienst. Dann übernimmt ein einzelnes Ressortmitglied samstags von daheim und sonntags daheim sowie in der Redaktion sämtliche Online-Aktivitäten. Der oder die Kollege/in ist von Samstagmorgen bis Montag früh im Dienst: Man hält die Website mit Inhalten aus der gedruckten Zeitungt sowie den relevanten Agenturmeldungen aktuell, bedient die Social-Media-Kanäle und berichtet bei unerwarteten aktuellen Ereignissen selbst. 20 Arbeitsstunden pro Wochenende sind Standard und werden mit 75 Euro Antrittsgebühr gleich honoriert wie ein Print-Wochenenddienst; Überstunden gleichen wir aus.

Das Ressort besteht aktuell aus fünf Planstellen (inklusive Ressortleiter); freie Mitarbeiter und Volontäre helfen in begrenztem Maß aus. Im Schnitt bleibt für Redakteure derzeit etwa jede vierte bis sechste Woche – oder eben zusätzlich zum Newsroom-Geschäft – Zeit für eigene Geschichten und online-native Beiträge.

Mittlerweile gelingt es immer besser, solche echten Online-Inhalte auf die Seite zu bringen. Es gibt da verständlicherweise Ansprüche der Leser, des Verlags und der Redaktion. Gleichzeitig leuchtet ein, dass das Ressort mit den beschriebenen Ressourcen diesen (tendenziell wachsenden) Ansprüchen auch an sich selbst nicht voll gerecht werden kann.

Vor allem dank des hohen persönlichen Einsatzes aller Ressortmitglieder bringen wir trotzdem eigene Inhalte auf die Website. Man arbeitet einfach sehr effizient.

Bei der StZ sind Onlineredakteure bereits im Tarif. Das macht das Arbeiten im StZ-Online-ressort angenehmer als anderswo, auch innerhalb der SWMH. Die Arbeit ist vielfältig, und das ist gut so. Gleichzeitig würden sich mehr (Personal-)Ressourcen unmittelbar in eine bessere Website übersetzen. Es mangelt uns an Zeit – die Ideen gehen uns nicht aus. Jan Georg Plavec

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