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Aktionen, Autorentexte, Reaktionen, Solidarität

Prominente Unterstützung für den Stuttgarter Zeitungsstreik

Wir haben in den vergangenen Tagen viel Zuspruch für unseren Zeitungsstreik bekommen – von den Lesern, die uns im Kampf um gute Arbeitsbedingungen für guten Journalismus unterstützen über die Passanten auf der Königstraße bis hin zu etlichen Politikern und Kulturschaffenden:

Nils Schmid

Nils Schmid

Nils Schmid, Wirtschafts- und Finanzminister von Baden-Württemberg:

„Wenn wir Leser morgens die Zeitung aufschlagen, ist uns oft gar nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter unserer Lektüre steckt. Unter welchen Bedingungen, diese oft erbracht wird, noch viel weniger.

Umso mehr verdienen die Kolleginnen und Kollegen, die sich im Rahmen der Sozialpartnerschaft für faire Arbeitsbedingungen einsetzen, unsere Solidarität. Auch und gerade, weil sie uns Politiker manchmal ärgern. Denn unabhängiger Journalismus und Pressefreiheit sind feste Säulen unserer Demokratie. Doch wie bei einem guten Auto hat auch hier Qualität ihren Preis. Tagesaktuelle Berichterstattung ist ein harter Job, der den Redakteuren, Autoren und Volontären ein hohes Maß an Flexibilität und Belastbarkeit abverlangt. Viele der Beschäftigten im Medienbereich arbeiten zudem als Freiberufler, oft ohne berufliche Sicherheit. Baden-Württemberg hat zurecht den Anspruch, zum Musterland für Gute Arbeit zu werden. Der Journalismus darf hier nicht außen vor bleiben. Ich hoffe, dass sich die Tarifpartner bald auf für beide Seiten tragfähige Lösung einigen werden. Denn Qualitätsjournalismus ist für unsere Demokratie unverzichtbar.“

 

Stefanie Stegmann

Stefanie Stegmann

Stefanie Stegmann, Leiterin des Literaturhauses Stuttgart:

„Dass Journalisten einem Berufsethos auf der Basis einer demokratischen Grundordnung mit freier Meinungs- und Willensbildung folgen, bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung. Zugleich zeigt bspw. die gegenwärtige Situation in Europa, in der Ukraine, welche Bedeutung Journalisten – hier wie dort – zukommt. Von Ideologie sollten sie nicht und von Idealismus allein können sie nicht dauerhaft getragen werden; eine angemessene Bezahlung ist die Grundlage.“

 

 

Vincent Klink

Vincent Klink

Vincent Klink, Chef des Stuttgarter Restaurants Wielandshöhe, Autor und Fernsehkoch:

„Dieser Streik der Tageszeitungsjournalisten wird von mir unterstützt, weil es in unserer Simulationswelt wichtig ist, noch etwas Gedrucktes in der Hand halten zu dürfen. Buchstaben auf Papier haben eine gewisse Wertbeständigkeit und bedeuten Widerstand gegen die Flüchtigkeit des virtuellen Zeitgeists. Um dies zu leisten zu können, braucht es ernsthaftes, professionelles Personal, das wenigstens in Maßen über die finanzielle Freiheit verfügt, um auch mit freiem Geist arbeiten zu können. An der berühmten „Freiheit der Presse“ wurde schon immer herumgeschnippelt. Ich wünsche mir, dass die Restbestände gerettet werden.“

 

b_hück

Uwe Hück

Uwe Hück, Betriebsratsvorsitzender bei Porsche:

„Ich unterstütze den Journalistenstreik, weil guter Journalismus einer der wichtigsten Eckpfeiler unserer Demokratie ist. Die Journalistinnen und Journalisten müssen anständig und fair behandelt und bezahlt werden. Nach über 10 Jahren mit Tarifabschlüssen unterhalb der Inflation haben die Kolleginnen und Kollegen unterm Strich ein klares Minus in den Geldbeuteln. Das ist nicht fair.

Ich finde es deshalb richtig, dass die Journalisten jetzt antreten um in dieser Tarifrunde eindeutliches Plus herauszuholen. Die Arbeitgeber wollen eine weitere Nullnummer fliegen, aber diese Rechnung darf nicht aufgehen, die Kolleginnen und Kollegen brauchen endlich wieder ein klares Plus. 5,5 Prozent mehr Geld sind absolut angemessen und es gibt kein Argument, das dagegen spricht. Dafür müssen wir jetzt alle zusammen Druck machen.

Der Qualitätsjournalismus darf nicht auf dem Altar überzogener Renditeerwartungen der Verleger geopfert werden. Die Arbeitgeber wollen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld der Redakteurinnen und Redakteure um 25 Prozent zu senken. Das ist eine Unverschämtheit und respektlos! Dabei sind die Menschen die Erfolgsfaktoren der Verlage, doch das scheinen die Arbeitgeber zu vergessen.

Mit der Ausbeutung muss endlich Schluss sein. Journalisten üben allesamt ihren Beruf mit großem Engagement und Leidenschaft aus. Sie müssen unabhängig sein, um im Sinne der Pressefreiheit arbeiten zu können. Das geht nur mit ordentlichen Entgelten und Sonderzahlungen.

Jetzt muss die Blockadehaltung der Arbeitgeber aufgebrochen werden, die mit der Kündigung des Manteltarifvertrages die Auseinandersetzung unnötig angefeuert haben. Der seit Monaten schwelende Tarifkonflikt muss endlich zu einem Ergebnis kommen. Der notwendige Druck wird mit den laufenden Arbeitsniederlegungen und Streikaktionen aufgebaut.

Streik ist nicht nur ein legitimes Mittel, sondern mitunter notwendig um berechtigte Forderungen durchzusetzen und sich gegen das Streichkonzert der Verleger zur Wehr zu setzen. Unser Motto muss sein: Nur wenn man wie bei der Zahnpastatube unten drückt, kommt oben etwas raus.

 

Demis Volpi

Demis Volpi

Demis Volpi, Hauschoreograf beim Stuttgarter Ballett:

„Ich unterstütze den Streik der Journalisten, weil die Menschheit ihre Informationen über wichtige Ereignisse seit über 400 Jahren durch die Tageszeitung bezieht. Für die Ballettwelt (für die Theaterwelt!) sind Zeitungsartikel und Kritiken manchmal die einzigen und/oder wertvollsten Quellen, die wir heute noch haben. Man denke an die Uraufführung von Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ oder an die Geburtsstunde des heutigen Stuttgarter Balletts, das seinen Namen durch den renommierten New-York-Times-Kritiker Clive Barnes erhielt. Jede Zeitung kann als historisches Dokument betrachtet werden, das als nachhaltiges Zeugnis des kulturellen Erbes unserer Gesellschaft bestehen bleibt. Nicht zuletzt ist eine vielfältige Zeitungslandschaft ein Merkmal gesunder Meinungsfreiheit in einer funktionierenden Demokratie.“

 

 

Thomas Strobl

Thomas Strobl

Thomas Strobl, Vorsitzender der CDU Baden-Württemberg:

„Ich unterstütze den Streik der Journalisten, weil ein Streik als ultima ratio zu Tarifauseinandersetzungen gehört. Die Tarifautonomie ist für mich ein sehr hohes Gut, das wesentlich zur wirtschaftlichen Stärke Deutschlands beigetragen hat und beiträgt. Deshalb respektiere ich als Politiker die Arbeitskampfinstrumente der Tarifparteien.“

 

 

Jochen Schönmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:

„Es ist die Aufgabe von Journalisten, die Entwicklungen in der Gesellschaft kritisch zu begleiten sowie Unrecht aufzudecken und zur Sprache zu bringen, wo immer es geschieht. Dafür braucht es Klugheit, Mut und großes Engagement. Die Wertschätzung, die wir Journalisten aufgrund ihrer Arbeit entgegenbringen, drückt sich selbstverständlich auch in ihren Arbeitsbedingungen aus. Der Schaden, der entstehen würde, wenn wir uns eine funktionierende Presse ’sparen‘ würden, wäre kaum zu überblicken.“

 

Manfred Langner

Manfred Langner

Manfred Langner, Schauspielbühnen in Stuttgart:

„Ich unterstütze den Streik der Journalisten, weil die morgendliche Zeitung so wichtig ist wie das täglich Brot. Und damit dieses ‚Lebensmittel‘ auch gehaltvoll ist, brauchen wir gute Journalisten. Und weil diese nicht nur gut, sondern auch unabhängig und kritisch arbeiten sollen, müssen die Zeitungsmitarbeiter anständig bezahlt werden. Oder möchte irgendjemand in einem Land leben, in dem Presse und Medien, die so wichtige ‚vierte‘ Gewalt im Staat, keine Existenzgrundlage mehr haben?“

 

 

Katja Spiess und Christian Bollow für das Team des FITZ! Zentrum für Figurentheater:

„Aus der aktuellen Tagespresse haben wir vom Scheitern der Tarifverhandlungen zwischen Verlagen und Gewerkschaften erfahren. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, möchten wir Sie, die Mitarbeiter der Tageszeitungen, nachdrücklich unserer Solidarität vergewissern. Aus der täglichen Arbeit mit Ihnen ist uns bewusst, wie stark die (immer knapperen) Geld- und Personalressourcen von den Erwartungen seitens der Verlage, des Publikums und der Kulturinstitutionen abweichen. Die Transformation des Nachrichtengeschäfts stellt Verlage und Mitarbeiter vor schwierige Aufgaben. Wie immer sie ausgeht, an der Qualität der Berichterstattung wird sich ihr Erfolg messen lassen. Und Qualität kostet.“

 

Katrin Altpeter

Katrin Altpeter

Katrin Altpeter, Sozialministerin von Baden-Württemberg:

„Ich unterstütze den Streik der Journalisten, weil ich finde, dass Journalisten die Zeit und die Möglichkeiten haben müssen, um Sachverhalte tiefer recherchieren zu können – und weil ich finde, dass das entsprechend entlohnt werden muss.“
 

 

 

 

 
Joachim Möhrle, Präsident des baden-württembergischen Handwerkstags:

„Im Journalismus ist es wie im Handwerk. Für qualitativ gute Arbeit braucht es gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben Anspruch auf eine gerechte Bezahlung.“

 

Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau, Stuttgarter Krimiautor:

„Ich unterstütze den Streik der Journalisten, weil ich die Hoffnung auf eine bessere Zeitung nicht aufgeben will!“

 

 

 

Edith Koerber, Leiterin des Stuttgarter Theaters tri-bühne:

„Die freie Presse ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder freiheitlichen Demokratie. Das Funktionieren einer Demokratie, in der alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, setzt voraus, dass dessen Mitglieder über die Informationen verfügen, die sie benötigen, um sich auf rationale Weise eine eigene Meinung zu allen politischen und gesellschaftlichen Fragen bilden zu können. Und dazu leistet die Presse einen unschätzbaren Beitrag. Einen ebensolchen Beitrag leistet sie beim Erhalt einer unserer wichtigsten kulturellen Werte: unserer Sprache. Die freie Presse hat also eine Bedeutung für die Allgemeinheit, die weit über ihre ökonomischen Aspekte hinausgeht. Deshalb unterstütze ich den Arbeitskampf der Journalisten voll und ganz, denn jede(r), der/die eine solch wichtige gesellschaftliche Aufgabe auf sich nimmt, gehört auch anständig bezahlt!“

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

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