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Autorentexte, Stimmungsbilder

7 Gründe, warum wir für einen fairen Tarifabschluss streiken

1. Wir sind empört, weil die Verleger ausgerechnet an uns jungen Journalisten am meisten sparen wollen. Denn sie tun es bereits seit langem. Niemals werden wir die hohen Gehaltsgruppen unserer älteren Kollegen erreichen, die in den kommenden Jahren in Rente gehen.

2. Wir glauben nicht an den Tod der Zeitung. Wir glauben, dass ein gut gemachtes Produkt immer Käufer finden wird. Die Leser erwarten aber immer mehr für ihr Geld – investigative Recherchen, überraschende Themen, fundierte Kommentare. Qualifizierte und kreative Köpfe sind gefragter denn je.

3. Wir glauben an die digitale Zukunft. Wir verstehen unsere Verlage als Medienunternehmen, die drauf und dran sind, zu digitalen Marken zu werden. Diesen Weg gehen wir engagiert mit, weil wir spüren, dass jetzt der Moment ist. Neue Erzählformen, neue Lesergruppen, größere Reichweiten: Im Onlinejournalismus warten viele Chancen, die wir ergreifen wollen. Wir haben genug Mut und Ideen, die Zukunft in den Verlagshäusern mitzugestalten. Doch nicht um jeden Preis.

4. Wir sehen, dass sich viele junge Menschen bereits vom Journalismus abwenden. Weil die Verlage in direkter Konkurrenz zu anderen Unternehmen stehen, die mit mehr Innovationspotenzial, flexibleren Arbeitszeitmodellen und höheren Löhnen locken. So gern wir auch Journalisten sind – wir verstehen, wenn junge Menschen einen anderen Weg wählen. Aber wir wollen, dass gute Leute dem Journalismus erhalten bleiben.

5. Wir sind multimedial ausgebildet, digital vernetzt und haben einen akademischen Abschluss. Während des Studiums oder bereits als Schüler haben wir nebenbei Praktika absolviert, frei gearbeitet und auf diese Weise viele Jahre Berufserfahrung gesammelt. Die Gehaltsstaffel weiter zu strecken, bedeutet für uns eine Geringschätzung unserer Qualifikationen und einen gravierenden Einkommensverlust. Beides wollen wir nicht hinnehmen.

6. Idealismus ist wichtig, aber nicht alles. Wir sind bereit, überdurchschnittlich viel zu leisten, erwarten aber auch die Wertschätzung unserer Arbeit. Wie viele andere Kollegen arbeiten wir Journalisten heute wesentlich effizienter als noch vor zehn Jahren. Weniger Redakteure füllen mehr Zeitungsseiten und obendrauf die Website, die Apps und die sozialen Medien. Mehr Geld gibt es dafür nicht. Im Gegenteil.

7. Wir wollen nicht für die Versäumnisse der Verleger büßen. Lange Zeit haben sie ihre Inhalte im Netz verschenkt. Es gab keine Konzepte, keine Impulse, keine weitsichtigen Projekte. Innovativ waren die Verleger selten  – es sei denn, es ging ums Sparen. Mit dem vom BDZV vorgelegten “Tarifwerk Zukunft” zeigen die Verleger, wie wenig sie selbst an die Zukunftsfähigkeit ihrer Häuser glauben. Wir aber glauben daran. Und kämpfen dafür.

Junge Redakteurinnen und Redakteure u.a. der Tageszeitungen Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Heilbronner Stimme und Schwäbische Zeitung

 

Seit August 2013 verhandeln unsere Gewerkschaften (DJV und dju in Verdi) mit dem Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) über einen neuen Tarifabschluss. Die Verleger streben ein klares Minus für die Redakteurinnen und Redakteure an: Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, weniger Urlaubstage, und – was die jungen Kollegen am meisten trifft – Streckung der Gehaltsstufen.

Nach der neunten Verhandlungsrunde Ende März wurden die Gespräche unterbrochen. Die baden-württembergischen Redakteurinnen und Redakteure haben ihre Gewerkschaften aufgefordert, grünes Licht für regionale Verhandlungen zu geben. Nach acht Monaten sehen sie keine Chance für einen tragbaren Flächentarifvertrag im Bund. Kein Minus im Mantel, ein Plus im Geldbeutel – darum geht es den streikenden Kolleginnen und Kollegen. Und hinter diesen Forderungen stehen auch junge Journalisten von baden-württembergischen Tageszeitungen.

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Über streikblog0711

Stuttgarter Journalisten im Streik

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